Mediaplanet. Oder auf welchen Planet sind die denn?

Ich bin ein Mensch, der sich nicht sehr oft aufregt. Ich rege mich auf, wenn Menschen für dumm verkauft werden. Und heute habe ich mich genau deshalb aufgeregt. Der Fall:

Eine Kundin von mir wurde von Mediaplanet angefragt, ob sie einen Artikel für die Tagesanzeiger-Beilage «Hände und Füsse» beisteuern möchte. Natürlich kostet das etwas. Klar. Es wurde unter der Bedingung akzeptiert, dass die Website der Kundin aufgeführt wird und sie ein Gut zum Druck erhält. Sie sollte einen Artikel über Fussübungen schreiben. Dazu wurden von der Kundin extra noch verschiedene Videos produziert – die auch termingerecht auf ihre Website geladen wurden.

Der Artikel wurde von Mediaplanet gelobt. Da er super geschrieben sei, könne man ihn so 1:1 übernehmen. Die Kundenberaterin sagte noch, dass aus «rechtlichen Gründen» ein Redaktor unter den Artikel gestellt würde. «Das muss so sein. Da nehmen wir einen fiktiven Redaktor!».

Im Gut zum Druck hat die Kundin noch zwei Fehler gefunden (Ein Untertitel wurde falsch positioniert, so dass der Übergang zum Lauftext nicht stimmte – und ein Schreibfehler wurde entdeckt). Die Web-Adresse meiner Kundin war im Lauftext erwähnt und zum Schluss des Artikels (mit Hinweis auf die Videos) nochmals. In der Mail, in der sie die Korrekturen aufführte, schrieb sie auch, dass sie nochmals ein GzD sehen wolle.

Darauf hat sie nichts mehr gehört. Erst gestern (am Tag, an dem die Beilage erschien), kam eine eMail von der Kundenberaterin von Mediaplanet (hier 1:1):

Liebe Frau XXXXX (meine Kundin)

entschuldigen Sie die verspätung.

Anbei so wie wirs gedruckt haben. Es wäre gut, wenn Sie mir den Link zum Video asap schicken. Dann tu ich den online Auf dem artikel rein:

http://www.haendepflegen.ch/knochen-und-gelenke/XXX link zur Seite

LG (Name der Kundenberaterin).

In dieser eMail hat es nicht nur viele Fehler (ok, wer in der Medienbranche arbeitet, muss ja auch nicht unbedingt geradeaus schreiben können…), sondern anbei war das PDF vom Artikel, wie er gedruckt wurde.
Statt der www-Adresse der Kundin war die eigene Landingpage von Mediaplanet (per QR-Code) drin. Auf dieser Seite von Mediaplanet steht der Artikel der Kundin – OHNE QUELLENANGABE und ohne die Autorin auch nur zu erwähnen. Eben war ich auf dieser Seite und sehe, dass sie sogar jetzt die Videos der Kundin auf Youtube gefunden und diese auch in ihre Seite eingebaut haben.
Ist das ein Geschäftsgebaren? Sagt denen Urheberrecht etwas?

Meine Kundin prüft jetzt rechtliche Schritte. Zu recht. Ich bin mir nicht sicher, ob der Tagesanzeiger weiss, wie Mediaplanet mit seinen Kunden umgeht. Denn alle Artikel auf dieser Seite (www.haendepflegen.ch/) sind ohne Autor-Namen aufgeführt. (Zudem sind die Artikel grauenhaft formatiert – Aufzählungspunkte fehlen, Titel wurden in den Inhalt formatiert etc.)

Die Leute von Mediaplanet scheinen auf einem anderen Planeten zu wohnen (da gab es doch einen Film…). Aber so geht’s nicht.
Artikel zu verkaufen und zu versichern, dass die www-Adresse im Artikel genannt wird – im Gut zum Druck die www-Adresse zweimal setzt – und schlussendlich im Printprodukt auf die eigene Seite verweist. Und dies ohne die Kundin zu informieren.

Die Kundin hat auf ihre Kosten Videos produzieren lassen, die jetzt keine Beachtung finden (ausser auf den Seiten von Mediaplanet).
Sorry Mediaplanet. Unterste Schublade. Da gibt es keine Erklärung dafür. Das ist pure Absicht.
Wenigstens habe ich jetzt ein schlechtes Beispiel mehr, das ich meinen Studenten (Marketing-NDS etc.)  erzählen kann…

PS: Die Videos haben wir jetzt mal deaktiviert…

Categories: Gut zu wissen, Recht

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